Dienstag, 09. August 2022

13 Millionen Menschen in Deutschland 2021 armutsgefährdet

Rund 13 Millionen Menschen und damit 15,8 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind im vergangenen Jahr armutsgefährdet gewesen. Damit ging der Wert im Vergleich zum Vorjahr, in dem rund 13,2 Millionen Menschen (16,1 Prozent) armutsgefährdet waren, leicht zurück, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Demnach waren mit 16,5 Prozent im Jahr 2021 Frauen eher armutsgefährdet als Männer (15,1 Prozent). Insbesondere bei Frauen ab 65 Jahren fiel mit 21 Prozent die Armutsgefährdungsquote deutlich höher aus, als bei Männern derselben Altersklasse, wo sie den Angaben zufolge bei 17,4 Prozent lag. Generell sei die Armutsgefährdung unter den Arbeitslosen am größten gewesen. Fast jeder zweite Arbeitslose (47 Prozent) sei im vergangenen Jahr armutsgefährdet gewesen, erklärte das Bundesamt. Bei den Erwerbstätigen seien es hingegen 8,6 Prozent gewesen, bei Personen im Ruhestand 19,3 Prozent. Ebenso seien mit rund einem Viertel erheblich öfter Menschen aus Alleinerziehendenhaushalten sowie Alleinlebende von Armut bedroht. Auch bei Personen in Haushalten von zwei Erwachsenen und drei oder mehr Kindern habe die Armutsgefährdungsquote mit 23,6 Prozent über dem Bundesdurchschnitt gelegen. Eine Person gilt nach der EU-Definition dann als armutsgefährdet, wenn sie über weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung verfügt. 2021 lag dieser Schwellenwert für eine alleinlebende Person in Deutschland bei 15.009 Euro netto im Jahr (1.251 Euro im Monat), für zwei Erwachsene mit zwei Kindern unter 14 Jahren bei 31.520 Euro netto im Jahr (2.627 Euro im Monat), wie es hieß. Die Arbeiterwohlfahrt erklärte, die Zahlen bestätigten erneut, was Sozial- und Wohlfahrtsverbände seit Jahren anmahnten. Es sei bitter, dass vor allem diejenigen von Armut gefährdet seien, die ihr Leben lang Erwerbsarbeit geleistet oder derzeit Sorgearbeit für Kinder übernommen hätten, so Vorstandsvorsitzende Brigitte Döcker. Vor dem Hintergrund der derzeitigen Teuerungen sei es höchste Zeit, die Notbremse zu ziehen. Die Politik müsse handeln. Gegen Armut wirksame Projekte wie Kindergrundsicherung und Bürgergeld stünden in den Startlöchern, kämen aber nicht voran.

Text: KNA